Geleitwort zum Buch Reflactive Leadership

Die Komplexität der heutigen Zeit macht Führung zu einer nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich essenziellen Funktion. Doch was ist als Führungskraft zu tun: Effizienz oder Effektivität, Tradition oder Innovation, Stabilität oder Agilität, Denken oder Handeln, Heute oder Morgen?

Mit dem Reflactive Leadership Ansatz setzt sich Marius Klauser für ein «sowohl als auch» anstelle eines «entweder oder» ein, ohne dafür das neuste Modewort der organisationalen Ambidextrie (Beidhändigkeit) nutzen zu müssen. Seine Überlegungen basieren auf der Systemtheorie und Kybernetik, wo das dynamische Gleichgewicht und das immer wieder Balancieren vermeintlich gegensätzlicher Aspekte immer schon Ausgangspunkt der Überlegungen war. Dies prägte auch die damaligen Arbeiten von Hans Ulrich und mir, welche zum St. Galler Management Modell führten.

Die Einzigartigkeit von Reflactive Leadership liegt darin, dass das Individuum mit seinem Denken und Handeln als Ausgangspunkt eines ganzheitlichen Führungsverständnisses genommen wird. Auf dieser Basis wird für eine partizipative Führung plädiert, welche mittels kollektiven Denkens und Handelns eine gemeinsame Führungssprache und -kompetenz hervorbringt. Jede Organisation – ob Pro-fit- oder Non-Profit-Organisation – setzt einen Zweck in Wirkung um. Hierzu sind Führungsprozesse notwendig, welche gemäss Reflactive Leadership allesamt als gemeinsame Lösungsfindungsprozesse verstanden werden. Derart selbstgeführte Organisationen können wiederum Teil von umfassenderen sinnorientierten Netzwerken sein.

Mit dieser Betrachtungs- und Herangehensweise gelingt es Marius Klauser, dass systemische Gesetzmässigkeiten, praxisorientiert aufbereitet auf den Ebenen Individuum, Team, Unternehmen und Netzwerk, Wirkung entfalten. Dies in normativer, strategischer und operativer Hinsicht. Dazu wird nicht ein einfältiges Managementrezept geboten, sondern ein Führungsleitfaden, anhand dessen Führungskräfte für sich und ihr Umfeld immer wieder passende Lösungen finden und umsetzen können. Führungskompetenzen werden somit schrittweise entwickelt und Professionalität, Persönlichkeit und Passion der Führungskräfte gestärkt.

Prof. em. Dr. oec. Walter Krieg
Cham im Oktober 2021